Kritik an neuer Nährwertkennzeichnung

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Kein Wegweiser für individuelle Speisepläne

sup.- Ein bessere Vergleichbarkeit von Lebensmitteln, eine schnelle Information über die Nährwertqualität und dadurch ein zielsicherer Einkauf von gesundem Essen: Diese anspruchsvollen Ziele soll der so genannte Nutri-Score möglich machen. Das Kennzeichnungssystem auf Lebensmittelverpackungen, das nun auch in Deutschland eingeführt wird, verspricht Verbrauchern eine unkomplizierte Orientierungshilfe auf der Suche nach ausgewogener Ernährung. Jedes gekennzeichnete Produkt bekommt dafür eine Einstufung innerhalb einer Farbskala von rot bis grün. Für diese Bewertung werden die vermeintlich wünschenswerten und weniger wünschenswerten Nährwertelemente ermittelt und miteinander verrechnet, so dass sich für jedes Produkt eine Gesamtpunktzahl ergibt.

Gerade in dieser Vereinfachung sehen viele Ernährungsexperten allerdings ein Problem. Einerseits versperre die isolierte Bewertung einzelner Lebensmittel den entscheidenden Blick auf die Ausgewogenheit der gesamten Ernährung. Denn weder der Tagesbedarf an Nährstoffen noch die Kalorienaufnahme spielen auf diese Weise eine Rolle. Und andererseits, so die Kritiker, könne eine fünfstufige Farbskala niemals den komplexen Bedürfnissen eines individuellen Speiseplans gerecht werden. “Was für den einen “grün” und damit “gesund” ist, kann bei falscher Dosierung zu “Gift” werden, und für einen anderen, der beispielsweise ein Lebensmittel nicht gut verträgt, “ungesund” sein”, warnt Andreas Schnebel, der Vorstandsvorsitzende des Bundesfachverbandes Essstörungen e. V.

Verbraucher sollten sich deshalb darüber im Klaren sein, dass die Kategorie “Grün” beim Nutri-Score noch lange nicht der Wegweiser zu Fitness und Wohlbefinden ist. Wer sich beim Einkauf allein an dieser Kennzeichnung orientiert, dürfte eher Probleme aufgrund einer Mangelversorgung bekommen. Denn wichtige Inhaltsstoffe wie z. B. Vitamine, Mineralstoffe oder ungesättigte Fettsäuren werden bei der Score-Ermittlung überhaupt nicht berücksichtigt. Stattdessen kann die üppige Beigabe von Zusatzstoffen wie Konservierungsmitteln, Geschmacksverstärkern, Süß- oder Farbstoffen die Einstufung in Richtung grün sogar verbessern, wenn dadurch beispielsweise der Fettanteil verringert wird. Und frisches Obst oder Gemüse bekommen ebenfalls keine positive Bewertung, weil unverarbeitete und unverpackte Lebensmittel vom Kennzeichnungssystem des Nutri-Score gar nicht erst erfasst werden.

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Redaktion Andreas Uebbing

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